Das Ukrainer-Denkmal in Rastatt – Besichtigung und Diskussion

Termin: die Veranstaltung muß leider aus organisatorischen Gründen auf 2019 verschoben werden !

Ort: Stadtfriedhof Rastatt

Auf dem Stadtfriedhof Rastatt erinnert das sog. Ukrainer-Denkmal an ein ehemaliges Kriegsgefangenen-Lager, welches im Mai 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, im Münchfeld in Rastatt eingerichtet worden war. Laut einer Angabe aus dem Jahr 1915 waren in Rastatt zu diesem Zeitpunkt 12.000 Gefangene untergebracht (andere Angaben sprechen von 15.000 Kriegsgefangenen). Das Lager selbst bestand überwiegend aus schnell errichteten Holzbaracken, nur die wesentlichen Versorgungsbauten waren aus Stein.

Im Münchfeld waren vorwiegend Ukrainer untergebracht. Dennoch wurde das Lager im Volksmund – und noch 1995 in der Lokalpresse – als „Russenlager“ bezeichnet (Erinnerungen an das Russenlager vor 80 Jahren. In: BNN, 9.12.1995).

Ukrainische Kriegsgefangene

Die ukrainischen Kriegsgefangenen sollten – als potentielle Gegner der russischen Zentralregierung – auch militärisch ausgebildet werden und waren als Reserve-Armee für den Kriegseinsatz gegen Russland gedacht (vgl. Frank Golczewski (2003): Die deutsche „Gefangenenarbeit“ mit Ukrainern im Ersten Weltkrieg. In: Hering, Rainer / Nicolaysen, Rainer (Hrg.): Lebendige Sozialgeschichte. Gedenkschrift für Peter Borowsky. Westdeutscher Verlag Wiesbaden, S. 551-572; Oxana Nagornaja (2010): Des Kaisers Fünfte Kolonne? Kriegsgefangene aus dem Zarenreich im Kalkül deutscher Kolonisationskonzepte, In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 58 (2010), Heft 2).

Dabei arbeitete die deutsche Reichsregierung eng mit ukrainischen Organisationen zusammen, wie z.B. dem Bund zur Befreiung der Ukraine, BBU (vgl. wikipedia-Artikel und AG Friedensforschung: Die ukrainische Sache). Neben Rastatt gab es auch in Wetzlar und Salzwedel solche „Ukrainer-Lager“ (vgl. Artikel im Gießener Anzeiger).

Kulturelles Lagerleben

Die Ukrainer konnten sich im Laufe der Internierung eine eigene Infrastruktur mit Lagerdruckerei, Lagerzeitung, Werkstätten und vielem mehr schaffen. In diesem kulturellen Milieu entwickelte sich der Gedanke, ein eigenes Kriegerdenkmal für die hier Verstorbenen zu erstellen, das nach einem Entwurf und unter Leitung des Lagerinsassen Professor Mychajlo Paraschuk (auch als Parascuk bzw. Paraschtschuk) auf dem Rastatter Stadtfriedhof verwirklicht und am 20. Oktober 1918 eingeweiht wurde (vgl. zur Geschichte der ‚Ukrainer-Denkmäler‘ in Deutschland).

Nach dem Friedensschluss mit der Ukraine entschieden sich zahlreiche Gefangene – nach den Wirren des Krieges und einer unsicheren Zukunft ihrer Heimat – hier in Rastatt zu bleiben.

Besichtigung und Diskussion in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Rastatt

Wir wollen uns anhand dieses Denkmals exemplarisch mit Kriegsdenkmälern als Teil der Erinnerungskultur befassen.  Stadtarchivar Oliver Fieg stellt das Denkmal in einer Einführung vor und steht für Fragen zur Geschichte zur Verfügung.