Entdeckungsreise „Meine 300 Jahre Krieg und Frieden in Rastatt“

Basis für Frieden, Mitglied der Aktionsgemeinschaft Rastatter Frieden, lud am 7. Juli 2018 zur Entdeckungsreise „Meine 300 Jahre Krieg und Frieden in Rastatt“ ein.

Treffpunkt war der Lichthof neben dem Wehrgeschichtlichen Museum. Der Stadtrundgang startete mit der Erkenntnis „Weltfrieden beginnt in jedem Einzelnen“ und besann sich dann auf den Friedensschluss vor 300 Jahren, den Marschall Villars und Prinz Eugen mit ihren Delegationen verhandelt haben.

Diese Erlebnisreise versuchte einen Brückenschlag zwischen den Teilnehmern, Plätzen in Rastatt und der Entwicklung in den letzten 300 Jahren. Also, „wer sind meine Vorfahren und was haben die mit den 300 Jahren seit dem Rastatter Frieden zu tun? Welche Kriegs- und Friedenszeiten gab es? Wie hat sich in diesem Zeitraum das Leben in Rastatt entwickelt (Trinken, Essen, Einkaufen, Reisen, Wohnen, Arbeiten, …)?“

Im persönlichen Reflektieren von Plätzen, Informationen und Begegnungen stellten sich die Teilnehmer die Fragen: „Was freut mich hier? Was macht mir Angst? An was denke ich, bei dem, was ich höre, sehe oder spüre?“ Der Rundgang wandte sich an „Menschen, die den Eindruck haben, Frieden ist ein großes Ziel, aber das Leben ist irgendwie anders!“

Die Teilnehmenden am Rundgang waren eingeladen, ihre Empfindungen und Gedanken auf diesem Rundgang für sich zu notieren und – wenn gewünscht – ins Gespräch zu bringen.

„Bei solchen Gedanken handelt es sich meist um sehr zarte Empfindungen.“, so Wilfried Ludwigs, einer der Organisatoren. Deshalb war der Grundsatz auf diesem Rundgang geleitet von Anselm Grüns Feststellung „Wer die Stille sucht muss stehen bleiben. Hören und Schauen – Wirken lassen.“ Die Resonanz bringt uns voran oder hält uns zurück!

„Weltfrieden beginnt auch in mir!“ mit diesem Impuls endete die Erlebnisreise. Tobias Keinath, Istar Buscher, Ute und Wilfried Ludwigs waren die Begleiter.

 

Die Entdeckungsreise in der Presse

BT_20180710_Rundgang durch 300 Jahre Krieg und Frieden

BNN_20180709_Rundgang bringt Wissen und Gefühl in Verbindung

 

Die Stationen des Rundgangs

1. Wehrgeschichtliches Museum
2. Schloß Rastatt
3. New Britain Park
4. Historisches Rathaus
5. Marktplatz
6. Murgufer und Brücken über die Murg
7. Ein alter Baum im Schlosspark
8. Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen

 

3. Station – New Britain Park

Städtepartnerschaften

(ibu) – Der New Britain Park trägt seinen Namen nach der Stadt New Britain in Connecticut/USA, mit der die Stadt Rastatt in einer Städtepartnerschaft verbunden ist. Die Idee der Städtepartnerschaften entstand bereits nach dem Ersten Weltkrieg, fand aber erst nach 1945 eine große Verbreitung. Als Lehre aus den beiden Weltkriegen sollte durch Städtepartnerschaften die Völkerverständigung gefördert werden.

Carl Schurz

Die Städtepartnerschaft zwischen Rastatt und New Britain wurde in Gedenken an Carl Schurz geschlossen. Carl Schurz, der wegen seiner Beteiligung an den revolutionären Kämpfen um die Festung Rastatt im Jahre 1848 zunächst nach Paris und später in die USA fliehen mußte, war ein entschiedener Gegner der Sklaverei. Als Innenminister der USA (1877-1881) trat er für eine gerechtere Indianerpolitik ein und wandte sich erfolgreich gegen eine Verlagerung der Zuständigkeit für die Indianer aus dem Innenministerium ins Kriegsministerium (vgl. Rüdiger Wersich: Carl Schurz – Revolutionär und Staatsmann. Rastatt 1999; Hans L. Trefousse: Carl Schurz And The Indians. In: Great Plains Quarterly, Vol. 4, No. 2, Spring 1984, pp. 109-20).

Die Taube als Symbol

Mitten im New Britain Park befindet sich ein Taubenhaus.

Noch bevor die Menschen Symbolzeichen und Buchstaben entwickelten, schrieben sie Tieren, Orten oder Steinen Bedeutungen zu. So entstanden Symbole. Eine der ältesten Sehnsüchte der Menschen ist der Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben.

Die Taube ist dabei eines der ältesten Symbole für diese Friedenssehnsucht. In vorgeschichtlicher Zeit war die Taube als heiliger Vogel Attribut des in ganz Europa sowie dem Nahen und Mittleren Osten verbreiten Kultes der „Magna Mater“, der großen Mutter-Gottheit.

Seit dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung ist die Taube als Symbol des Friedens – neben dem Löwen als Symbol des Krieges – als Attribut der sumerisch-babylonischen Göttin Inanna (Ishtar) belegt. Zu dieser Zeit begann die Nutzung der Taube als Mittel zur Orientierung und Navigation auf See. Auch die Nutzung der Taube als Brieftaube bereits damals wird angenommen (vgl. Daniel Haag-Wackernagel: Die Taube. Vom heiligen Vogel der Liebesgöttin zur Strassentaube. Basel 1998).

Ihre Rolle in der biblischen Sintflut-Erzählung belegt die Nutzung der Taube zur Navigation: eine von Noah aufgelassene Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück (Gen 8,11 EU). Der Olivenzweig ist seit der Antike ebenfalls ein Symbol des Friedens.

Die im Zweistromland und im Mittelmeerraum damals bekannte Taube war kleiner als die heute verbreitete Taubenart und farblich fast komplett weiß. Schon in der Antike galten Tauben deshalb als besonders rein, – auch weil man glaubte, dass sie keine gelbe Galle besäßen, die nach der Vier-Säfte-Lehre als Sitz des „Bösen“ im menschlichen Körper galt.

In verschiedenen Märchen der Barockzeit waren es Tauben, die im „Krieg der Vögel“ den Frieden stifteten. Im späten 17. Jahrhundert wurden oft Münzen mit Tauben und Olivenzweig geprägt. Die Taube wurde so zum politischen Friedenssymbol schlechthin.

Die heute populäre Friedenstaube wurde 1949 von Pablo Picasso als Lithographie für den in Paris stattfindenden Weltfriedenskongress entworfen. Seitdem ist die Friedenstaube ein weltweites Symbol für die Friedensbewegung. Sie inspirierte Komponisten und Songschreiber ebenso wie Grafiker und Künstler, die dieses Symbol für ihre Arbeiten verwendeten (vgl.  SWR2 Wissen: Die Spur der Taube. Vom Friedensvogel zum Zankobjekt. Von Brigitte Kohn, 27.2.2014).

 

6. Station – Murgufer und Murg-Brücken

Flußkulturen

(ibu) – Wir stehen hier an der Murg, einem der kulturgeschichtlich interessantesten Flüsse Baden-Württembergs.

„Flüsse sind mehr als das Wasser, das sie in die Meere leiten“. Sie bilden Kulturräume, prägen die Menschen. Die ersten Hochkulturen der Menschheit entwickelten sich entlang der Flüsse – Huangho und Jangtse, Euphrat und Tigris, Ganges und Nil.

Die Murg

Die Murg hat – je nach Berechnung – eine Länge zwischen 72 und knapp 80 Kilometern.

Kelten und Römer siedelten hier. Mit der Sage „Das Kalte Herz“ hat Wilhelm Hauff (im Jahre 1827) die im 19. Jahrhundert europaweite Bedeutung der Flößerei auf der Murg für die Ewigkeit festgehalten.

Die Murg bei Rastatt ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fluss Murg im Südschwarzwald und den beiden Flüssen namens Murg in der Schweiz.

Der relativ häufig vorkommende Gewässername „Murg“ oder „Mur“ geht auf das keltische Wort „Morgjā“ zurück, mit der ungefähren Bedeutung „Land, Gegend, Gewässer an einer Grenze“. Aus dem daraus rührenden gallischen Wort „morga“ für „Grenze“, „Steinhaufen“ entstand die Ableitung „Murga“, von der sich alle heutigen Murg-Namen herleiten.

Mit der „Grenze“ des älteren keltischen Wortes konnten auch Sümpfe, feuchte Wiesen usw. gemeint sein. In der Schweiz und in Frankreich gibt es weitere Namen für Orte und Gewässer – Morge, Morges, Merje, Morel – die ebenfalls aus der keltischen Wortwurzel stammen (vgl. Wikipedia-Artikel: Murg (Gewässername)).

Brücken als Symbol

Brücken sind ein weit verbreitetes Symbol, – gleichermaßen für Trennung, als auch für die Verbindung zwischen Menschen, Ländern und Landschaften. Die Brücke ist aber auch ein Symbol für Kommunikationsprozesse, für die Herstellung von Verbindungen mittels Sprache oder für deren Abbruch. Das wird besonders deutlich in der Vielzahl sprichwörtlicher Redensarten und Sprachbildern mit „Brücke“: „jemandem eine Brücke bauen“, „Brücken abbrechen“, usw.

Daran knüpfen sowohl die Bezeichnung des römischen Papstes als „Pontifex Maximus“ (Oberster Brückenbauer), als auch die Wahl der Brücke als oft genutztes Symbol kirchlicher oder sozialer Einrichtungen mit Dialogauftrag an.

Die Verwendung idealisierter Brücken aus allen Epochen auf der Rückseite der Euro-Scheine symbolisiert die Überwindung von Gräben und bislang trennender Grenzen. In Film und Literatur ist die Brücke oftmals Symbol für Auseinandersetzungen mit Krieg und Frieden („Die Brücke“, deutscher Antikriegsfilm von Bernhard Wicki, 1959; „Die Brücke über die Drina“, historischer Roman von Ivo Andrić, 1945).

Johannes Nepomuk

Der böhmische Heilige Johannes Nepomuk („aus Pomuk“) gilt als der Schutzpatron der Brücken. Seine Bildnisse schmücken auch die Brücken-Aufgänge entlang der Murg und vieler anderer Flüsse und Bachläufe im Badischen. Johannes Nepomuk wird dafür verehrt, dass er gegenüber seinen Peinigern auch unter Folter geschwiegen hat (Johannes Nepomuk).

„Ein Lied kann eine Brücke sein“

In der Musik steht das Motiv der Brücke meist symbolisch für die Überwindung von Schwierigkeiten oder die Lösung mehr oder weniger schwerwiegender Probleme. Dies gilt sowohl in der englischsprachigen Songliteratur, wo Simon & Garfunkel von einer „Bridge over Troubled Water“ singen, als auch in deutschsprachigen Liedern. Ein Beispiel ist der Titel „Über sieben Brücken mußt du gehen“ der Gruppe Karat (bekannt durch die Cover-Version von Peter Maffay). Die Gruppe Pur fordert neue Brücken, um die Kluft zu überwinden, die durch Rassismus und Fremdenhass entsteht (vgl. Wikipedia-Artikel: Brücke).

Joy Fleming singt „Ein Lied kann eine Brücke sein“ (1975, Text: Michael Holm, Musik: Rainer Pietsch; lyrics). Schon in ihrem „Neckarbrückenblues“ (1972) hatte Joy Fleming die Brücke und ihre symbolischen Bedeutungen besungen.

Eine politisch verbindende Brücke hat Walter Mossmann 1975 in seinem „Bruckelied“ besungen: die Rheinbrücke zwischen dem deutschen Wyhl und dem französischen Marckolsheim, die zum Symbol der Proteste gegen das bei Wyhl geplante AKW wurde (lyrics).